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Wien, 11.06.2005 »


10.06.2005:

Feinsäuberlich stand alles für die Abfahrt bereit, noch schnell ein paar Kleinigkeit gepackt und es konnte losgehen!
Doch dann kam der alles vernichtende Anruf von einem mittlerweile ziemlich aufgelösten Martin, der sich zu diesem Zeitpunkt bei der Autovermietung befand und die Unheil bringenden Worte "Das Auto ist zu klein!" verkündete. Ein Schock. Jetzt hieß es schnell handeln, aber wie? Der etwas verwirrte Mann am Schalter versuchte zwar bemüht zu wirken, scheiterte aber leider kläglich, auch andere Autovermietungen hatten spontan kein größeres Gefährt zu vergeben. Mit zwei Autos nach Wien zu fahren war zwar keine brillante Lösung, wohl aber der einzige Ausweg aus unserer Misere. Oder?

Lektion 1: Wie wir alles in den viel zu kleinen Wagen packen:
1.) Nerven bewahren
2.) Die Rückbank ausbauen und alles einräumen
3.) Feststellen, dass doch noch reichlich Platz ist
4.) Kurz Fluchen
5.) Alles ausräumen und die Rückbank wieder einbauen
6.) Schweiß abwischen und schon mal überlegen, was wir eigentlich alles nicht brauchen

Nachdem nun alle Instrumente wieder vor der Hauseinfahrt stehen und die Rückbank im Auto ist beginnen wir von vorne.
Der Kontrabass, die Celli – "oh je das wird knapp" – kurze Lagebesprechung – nein, doch zuerst die Fackelständer…

Tänzerisch grazil bewegten sich Martin und Johannes im Wagen hin und her, um doch noch alles irgendwie in Position zu bringen, während alle anderen den Beiden mit gemischten Gefühlen zusahen und sie gelegentlich anfeuerten.
Mittlerweile wurden Wetten abgeschlossen - und schließlich habe ich gewonnen! Alles war eingepackt, es kann losgehen, wir fahren!! Doch nicht sehr weit: Ein Stau versüßte uns
den Nachmittag. Doch zum Glück ergriff Holger die Gelegenheit, die Gruppe mit dem Hörspiel "Illuminati" zu unterhalten. Kaum war CD 1 eingelegt, lauschten wir gebannt und nach dem zweiten Kapitel löste sich auch der Stau auf… Wien, wir kommen!!!
Zwischen Teilchenphysik, Verschwörungstheorien und nicht zu vergessen der Ekstase der heiligen Teresa - mittlerweile waren wir bei CD 5 angelangt - kamen wir schließlich mit ca. 60 minütiger Verspätung im Restaurant an, wo wir uns mit Artworker Joachim Luetke zum nächtlichen Schnitzelessen verabredet hatten. In gemütlicher Runde verging der Abend sehr schnell und schließlich hieß es auch schon "Sperrstunde!".
Müde sanken wir nach all den Aufregungen, der langen Fahrt und dem leckeren Essen in unsere Betten…

11.06.2005:

Als der Wecker läutete richtete sich mein erster Blick zum Fenster. Alles war grau in grau. "Ob wir wohl doch drinnen spielen sollen?", denke ich bei mir.
Nach dem Frühstück begann unsere kleine Sightseeing-Tour. Wir fuhren zuerst zur Oper, liefen die Kärtnerstrasse entlang und standen schließlich und zahlreiche Fotos später vor dem Stephansdom. Weiters ging`s Richtung Hofburg, durch den Volksgarten, zum Rathausplatz, vorbei am Parlament, das leider gerade renoviert wurde, am Natur- und Kunsthistorischem Museum vorbei in Richtung Museumsquartier, und schließlich sahen wir sie: Die Mutter aller Einkaufstrassen: Die Mariahilferstrasse.
Bevor wir uns allerdings dem Kaufrausch hingaben, genehmigten wir uns eine kleine Stärkung im traditionsreichen "Cafe Sperl".
Schließlich war es an der Zeit zum Narrenturm zu fahren. Der blaue Himmel und die Sonne gaben uns Grund zur Hoffnung, vielleicht doch noch im Hof spielen zu können.
Im Turm angekommen wurden wir gebeten, erstmal alles im Saal aufzubauen, da das Wetter insgesamt zu unbeständig schien.
Mit wehmütigen Blicken schleppten wir alles durch den Hof in das oberste Stockwerk und machten es uns im "Lehrsaal" gemütlich.
Als wir alles aufgebaut hatten, verdunkelte sich der Himmel doch wieder ein wenig. "Ein Glück" dachte ich, da war es wohl doch die richtige Entscheidung und hoffte insgeheim gleich auf ein Unwetter. "Damit sich`s lohnt."

Im Museum war es aus verständlichen Gründen nicht gestattet Feuer in jeglicher Art zu verwenden, weswegen wir auf unsere Fackeln und den Räucherkelch verzichten mussten.
Dafür hatten wir diesmal ein ganz besonderes Bühnenbild. An der Wand hinter uns befand sich eine Schultafel, die Oliver Schlemmer alias Irrlichtartwork (der an Stelle von Juana das Merchandise übernahm) innerhalb kürzester Zeit mit nur drei Kreidestücken in ein Gemälde verwandelte.
Danach wurden wir von den sehr netten Mitarbeiterinnen des Narrenturms und der Direktorin höchst persönlich zum Essen gebeten. Serbische Bohnensuppe - sehr lecker.
Langsam traf auch das Publikum ein, das, vorbei an sämtlichen Vitrinen, die diverse Anomalien des menschlichen Skelettes zeigten, schließlich den Weg in den Konzertsaal fand.
Zusätzliche Stühle mussten aufgestellt werden, der recht kleine Raum war schnell bis zum letzten Platz gefüllt. Das Konzert konnte nun beginnen und verlief auch sehr zu unserer Zufriedenheit, obwohl die Luft schon nach den ersten Liedern äußerst stickig war.
Fast am Ende des Konzertes angelangt stimmten wir "The last song"
an, als plötzlich laute Schüsse zu vernehmen waren. Alle blickten sich verwundert um, weitere Schüsse fielen und es war deutlich zu vernehmen, dass Angst den Raum erfüllte. Zugegebenermaßen war mir auch ein bisschen mulmig zumute, zumal illegale Demonstrationen angesagt waren, aber immerhin würden wir konzeptionell perfekt bei "The last song" untergehen, was mich ungemein beruhigte.
Es handelte sich schließlich nur um Feuerwerkskörper, die in der Nähe hochgingen und so brachten wir das Konzert mit "Atma Gyan" doch noch wohlbehalten zu Ende. Alles in allem ein gelungener Abend, den wir mit vielen Freunden und Bekannten ausklingen ließen.

12.06.2005:

Am nächsten Morgen machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Nachhauseweg,
schließlich wollten alle wissen, was es denn nun mit der Antimaterie und dem Dämonenloch auf sich habe. Danach ließen wir unseren Wienausflug stilgerecht mit einem Fall von "Kottan ermittelt" ausklingen.
Fortsetzung folgt…

Sonja

   
             
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