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Wernigerode, 23.07.2005 »


Es war wieder einmal dieser Tage, an denen wir gespannt auf Martins Nachricht von der Autovermietungsfront warteten. Diese Spannung! Was diesmal mit dem Wagen sein wird? Haben sie endlich den bestellten Sprinter? Der vorzeitige Anruf von Martin blieb aus. Was ist? Haben wir ihn? Tja, diesmal hatte Martin schon vorher resigniert…
Johannes, Juana und ich warteten darauf von den Anderen abgeholt zu werden und schließlich kamen sie auch, allerdings mit einem kleinen Transporter und Martins Auto. Es hat
doch nicht alles in den Wagen gepasst, war halt mal wieder kein Sprinter. (Wenn sich an dieser Stelle einer der Leser dazu aufgefordert fühlen sollte, uns einen Sprinter als Tourbus zur Verfügung stellen zu wollen, so sei er/sie herzlich dazu eingeladen.) Jedenfalls waren wir jetzt alle beisammen. Diesmal hatten wir ja auch etwas mehr im Gepäck. David, unser so lange als Überraschung geheim gehaltener Sitar-Spieler, hatte außerdem noch eine ganze Menge Percussions und seine Freundin Nina mit, die sich natürlich auch nicht die Live-Premiere von David bei PERSEPHONE entgehen lassen wollte.

So fuhren wir dann vergnügt los. Das heißt, wir kamen etwa 500 m weit, dann kam der Asia-Snack. David wollte unbedingt etwas essen, schließlich hatte er am Tag zuvor noch etwas Fieber, und wir wollten seinen Weg der Genesung nicht behindern. Da ich feststellen musste, dass meine Burger-King-Deutschland-Karte nicht so viel Anklang fand, wie ich mir erhofft hatte, leistete ich David beim Essen Gesellschaft, man weiß ja nie, wann man mal wieder was bekommt.

Kaum hatten wir das Essen während der Fahrt ohne größere Kleckereien verputzt, mussten wir erfahren, dass der Verurteilte Henry Gilbert wohl doch nicht der Mörder gewesen sein soll. Paul Temple wurde eingeschaltet und unterhielt uns so auf der sonst recht ruhigen Fahrt.

Als wir auf dem Schloss ankamen, fühlten wir uns schon wieder wie zu Hause. War es doch fast genau auf den Tag vor einem Jahr, als wir das erste Mal in der Schlosskirche spielen durften. Wieder wurde vom "Schossherrn"
Christian für uns alles möglich gemacht, sodass wir uns optimal auf das Konzert vorbereiten konnten. Schlossbesucher mussten sich einfach mit der Tatsache abfinden, dass die wunderschöne Kirche schon mit unseren Instrumenten bestückt wurde und wir uns den Spaß nicht nehmen ließen, uns von der Akustik verwöhnen zu lassen, weshalb wir auch schon mal die etwas lauteren Instrumente wie Didgeridoo, Djembe oder Cajon anspielten.
Unser Backstageraum war wieder das traumhafte Kaminzimmer, für das wir, um es zu erreichen, unter den neidischen Blicken der übrigen Schlossbesucher, die dicke Samtschnur übersteigen mussten. Innen erwartete uns das leckere Catering: Schnittchen, Kaffee, Süßigkeiten und ordentlich viel Wodka Red Bull. Uff, jetzt schon? Ich würde ja gerne erstmal etwas schöne Musik machen.

So haben wir es dann auch gemacht. Wir betraten die Kirche, die mal wieder bis auf den letzten Platz besetzt war. Wir begannen mit Labyrinth of longings bei dem wir es sehr genossen, dass wir David dabei hatten, der dieses und viele andere Stücke um ein Vielfaches bereicherte.
Dann ging es in My music is gone über. Danach From within. Doch auch nach diesem Lied gab es keinen Applaus. Was war los? An uns konnte es doch nicht liegen, wir waren uns keiner Fehler bewusst. Im Gegenteil. Doch während wir beim Spielen zu einer perfekten Einheit wurden, merkten wir, dass das Publikum daran so intensiv teilhaben wollte, wie es nur ging. So merkten wir dann auch, dass es alle begriffen hatten. - Das Konzert als Ganzes. Die Musik, die nach zwei Stunden wieder genau dahin verschwunden ist, wo sie anfangs herkam, sollte von niemandem unterbrochen werden. So löste sich bei allen der so lang gehaltene Spannungsbogen, als wir bei unserem Abgang mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen verabschiedet wurden. Dieses Konzert hat eine Atmosphäre entwickelt, die nicht alltäglich ist. Ich kann es den Verfassern der Briefe und E-Mails, die wir nach dem Konzert erhalten haben, nachempfinden, dass sie zutiefst berührt waren.

Nachdem wir direkt nach dem Konzert noch die Möglichkeit hatten,
den ausdauernden Fans, die noch im Innenhof auf uns warteten, für Autogramme, Fotos und Gespräche zur Verfügung zu stehen, ging es dann in den großen Speisesaal, wo wir uns den Köstlichkeiten der Küche hingeben konnten.
Die anschließende Party fand im Zimmer von Sonja und Martin statt. Ich bin allerdings gar nicht sicher, ob außer den Beiden noch jemand da war, denn wir waren doch ganz schön müde.

Auf der Rückfahrt wurde dann auch endlich die Frage gelöst, die uns den letzten Tag keine Ruhe gelassen hatte. Wer war denn jetzt der Mörder? Es war dann doch alles ganz anders und am Ende war's der Polizeichef. Oder hab ich da was falsch verstanden?

Ich freu mich jedenfalls schon jetzt auf den 19. November, wenn wir wieder auf das Schloss Wernigerode zurückkehren.

Holger

   
             
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