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Prag, 06.05.2006 »


Erstaunlich leicht fällt es mir, aus dem Bett zu kommen. Dachte, ich sei erschöpfter, nach dem Abend gestern. Ist mir aber sehr recht, schließlich haben wir eine weite Strecke zu bezwingen. Wir packen also unsere Siebensachen und –musiker ein und tuckern gen Seybothenreuth. Dort erfolgt der erste Etappenstop und die Weiterfahrt in Kolonne gemeinsam mit BELLA DONNA. Zunächst über die Landstraße gelangen wir dann auf die entsprechende Autobahn zur tschechischen Grenze, meine Mitfahrer ob des sonoren Brummens des Motors eingenickt. Tut mir ja leid, dass ich sie wecken muss, aber schließlich muss man den Grenzbeamten ja seinen Paß vorlegen. Verschlafen trudelt ein Papier nach dem anderen in meinen Schoß,
als ich ein schuldbewußtdurchtränktes und in Inbrunst und Verzweiflung nicht zu übertreffendes „Scheiße!“ vernehme: Ausgerechnet Sonja hat ihren Paß nicht dabei. Der vernichtende Kommentar des deutschen Grenzbeamten „Hier kommen Sie nicht weiter.“ Treibt auch die letzte Müdigkeit aus unseren Gesichtern. Rechts ´ranfahren, aussteigen, diskutieren. Ironie des Schicksals: Auch BELLA DONNA haben dieses Problem. Naja. Viel Hin und Her, eine aufgelöst flehende Sonja, die so schnell von einem Punkt zum anderen flitzt, dass man nur einen roten Streifen durch den Grenzübergang wahrnimmt. Ich gönne mir währenddessen eine kleine Ruhepause. Nach einer Stunde geht’s dank Bahncard und Übergangspaß dann doch weiter, auch BELLA DONNA waren erfolgreich. Mit einiger Verspätung, aber noch immer „in time“, erreichen wir die St.-Jan-Krtitel-Kirche. Idyllisch gelegen, nahe der Moldau in einem beschaulichen, adretten Viertel von Prag, fällt das nervenaufreibende Missgeschick an der Grenze von uns ab und wir beginnen entspannt mit den Vorbereitungen. Auch hier haben wir es mit einer sehr begünstigenden Akustik zu tun, und das warme, intime Ambiente der Kirche gibt uns ein gutes Gefühl für den heutigen Abend. Leider ist John nicht dabei, weswegen es eine Umstellung des Sets gibt. Demnach eröffnen wir das Konzert mit einer A Capella-Version von „The End Of The World“, das Johannes, Holger und ich in der hübsch zurecht gemachten Außenanlage der Kirche noch ein letztes Mal proben, bevor wir uns am Catering stärken.
Heute spielen BELLA DONNA zuerst. Die beengten Verhältnisse im wohl skurrilsten Backstageraum, den wir jemals gesehen haben (eine Wand war mit Urnen bestückt!), zwingen uns zu einer logistischen Meisterleistung während des Umbaus. Schließlich geht’s los: Wir betreten in klerikaler Manier die Kirche, also vom Haupteingang, und formieren uns zum Opener „The End Of The World“, der sich auch in der Kirche hervorragend singt. Auch das Konzert verläuft äußerst superb, das Publikum applaudiert frenetisch, habe heute auch keinen Krampf in den Fingern!
Anschließend beenden wir den Abend in einer sehr stilvollen „Chill-Out“-Location. Allzu lange bleiben wir aber nicht, da wir dann doch schon ziemlich müde sind. Zufrieden ziehen wir uns ins Hotel zurück und genießen die Stille, die uns erstmals an diesem heutigen Tag umfängt – ich zumindest… Der Tag danach: Kein Prag-Besuch ohne Sightseeing! Das würde Mirek, Veranstalter und Promoter des Konzerts, nie zulassen. Nachdem wir beim letzten Mal die Karlsbrücke und die Innenstadt besichtigt haben, fahren wir fort mit der Prager Burg, einem wirklich beeindruckenden Bauwerk. Findet auch Hagen. Allein die Kathedrale lässt einem den Atem stocken.
Ebenfalls die unzähligen Touristen, die das ebenso beeindruckend zu finden scheinen. Ein Beispiel: Johannes, der wohl aus beruflichem Interesse „nur mal kurz“ einen Blick in die Kathedrale werfen will, kommt nach kurzer Zeit ernüchtert wieder zurück. Hunderte von anderen Menschen hatten die gleiche Idee…
Doch leider können wir nicht zu lange verweilen, schließlich haben wir ja noch die Rückreise vor uns. Nach einigen weiteren Fotos an diesem schönen Frühlingstag machen wir uns auf den Heimweg. Der obligatorische Burger King-Stop erklärt sich von selbst. Zurück zu Hause freuen wir uns, ein so angenehmes und erfolgreiches Wochenende verlebt zu haben.


Martin

   
             
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