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Castle Party - Bolkow , 25.07.2008 »


Früh ging es heute los: Aufstehen, duschen (was ich mir angesichts der Hitze heute auch hätte sparen können), zur Autovermietung, die Jungs holen, Wagen einladen, losfahren: 9:30 Uhr. Wie geplant. Kleine Schweißperlen auf der Stirn. John holen wir wie üblich, wenn es nach Osten geht, an einem strategisch günstigen, vorher vereinbarten Treffpunkt ab. In der dortigen Filiale einer bekannten amerikanischen Fast Food-Kette, die mit „B“ anfängt und „urger King“ aufhört wird Sonja von einem Fan als sie selbst entlarvt. God, we are famous! Zumindest eine von uns. Des weiteren erkennen wir eine der Verkäuferinnen dort als ein uns bekanntes Gesicht wieder. Ob sie sich wohl auch an uns erinnert? Werden sie beim nächsten Mal fragen. Genug der Worte, lasst Taten folgen - will sagen: weiter geht’s. Dresden ist eine schöne Stadt, sogar wenn man sich darin verfährt. Schließlich sitzt der „Lord“, seines Zeichens Merch- und Fanbeauftragter, irgendwann doch sicher in unserer Mitte. Tiefer, immer tiefer dringen wir in den
Osten vor. In Polen nehmen wir wie vom Routenplaner unseres Vertrauens vorgeschlagen die Landstraße, was natürlich etwas dauert. Dafür bekommen wir was von der sehr schönen Landschaft zu sehen: Polizistenatrappen und angekettete Kühe inklusive (später dazu mehr). Der warme Fahrtwind lindert ein wenig die Pein der Hitze, nachdem die Klimaanlage bereits nach kurzer Zeit kapituliert hat.
Punkt 18:00 Uhr passieren wir die Ortseinfahrt von Bolkow, bereits hier sehen wir viele schwarze Gestalten. Problemlos finden wir den Weg in die Altstadt und den dortigen Marktplatz – schwarz, soweit das Auge reicht. Die Goten liegen im Schatten der Bäume auf dem Rasen, das alles macht in der Nachmittagssonne und einer Gluthitze, gepaart mit gefühlten 375% Luftfeuchtigkeit einen sehr gemütlichen Eindruck. Den ersten, den wir erkennen, ist Matt Howden (SIEBEN), den wir sehr herzlich begrüßen. Oder er uns. Egal, wir freuen uns sehr, ihn zu sehen. Beinahe hätten wir auch beide in der Kirche gespielt. Schade, so sehen wir ihn wieder nicht – bereits beim WGT hielt uns der veranschlagte Zeitplan davon ab, seiner beeindruckenden Performance beizuwohnen. Kurze Zeit später treffen wir auf Mirek, der bereits die Prag-Konzerte für PERSEPHONE organisiert hat und auch im Veranstalterteam der Castle Party ist. Zügig bauen wir auf und machen einen Soundcheck, der nicht nur von einem amerikanischen Filmteam begleitet wird, sondern auch von Passanten, die durch das Gitter am Eingang der Kirche vorsichtige Blicke riskieren. Die Akustik erweist sich als ausgezeichnet, charakterlich sehr erhaben.
Das Konzert: Als ich den Kirchenraum betrete, bin ich sehr beeindruckt von der Vielzahl der Menschen, die diesem Konzert heute beiwohnen. Abgesehen davon habe ich noch nie so viel Presse auf einem Konzert erlebt,
gleichermaßen beeindruckt mich der professionelle Umgang mit den Fotografen: Nach zwei Songs geht der erste Schub an Pressefotografen und macht Platz für den zweiten, der nach weiteren zwei Songs ebenfalls abtritt. Ist zwar kurz ein wenig Unruhe, zum Glück aber schnell vorbei. Die Besucher scheinen das Konzert sehr zu genießen und danken uns jeden unserer Songs mit lang anhaltendem Applaus. Alles in allem läuft es sehr gut, auch wenn es manchmal ein wenig ungewohnt ist, aufgrund der Akustik manche Songs langsamer zu spielen als gewohnt. Die Aufmerksamkeit des Veranstalters, Sonja nach Abschluss des Konzerts einen Strauß Blumen zu überreichen kommt sehr gut an und Sonja stürzt sich voller Euphorie und noch im Bühnenkleid in das Interview mit dem Filmteam. Schnell müssen wir zusammenräumen, da die Küche des Hotels im Schließen inbegriffen ist und extra wegen uns seine Pforten noch etwas länger geöffnet hält. Glücklicherweise können wir unsere Sachen über Nacht in der Kirche lassen – in Polen vermutlich der sicherste Ort. Im Hotel angekommen fallen wir erschöpft in die Sessel und widmen uns dem wohlverdienten Mahl und dem noch wohler verdienten eiskalten Bier. Danach zerstreut sich die Runde – einige wollen noch das Festival-Gelände erkunden, andere geben sich der aufkommenden Müdigkeit in Form von Schlafen hin, der Rest wird der Ankunft von GARDEN OF DELIGHT gewahr und lässt den Abend in gemütlicher Runde ausklingen.

Am nächsten Tag wollen wir doch nicht so ohne weiteres sofort aufbrechen und nehmen die Burg etwas genauer unter die Lupe, obwohl dort noch kein Programm ist und der ganze Tross erst am Erwachen ist. Es ist ein sehr schöner Ort mit einem gigantischen Ausblick über die gesamte umliegende Umgebung. Eine Empfehlung für reisefreudige Goten. Die Betreuung durch Veranstalter und Crew war hervorragend und hierfür sprechen wir gesammelt unseren Dank aus. Wir kommen gerne wieder.

Die Rückfahrt ist – lang; wenn auch nicht ereignislos. Bereits von der aufkommenden Hitze niedergestreckt döst jeder vor sich hin, als ein Aufschrei des Erstaunens den Bus füllt.
Ich schrecke hoch, höre seitens Sonja nur so was wie „Mei, is des liab“ und versuche, durch meine vom Schlaf verklebten Augen einen Blick auf das zu erhaschen, was denn so „liab“ sein soll. Ich befinde das dann eher für skurril: Auf dem Seitenstreifen kommt uns eine Kuh entgegen, die sich offenbar von ihrer Kette befreit hat und nun in lockerem Trab den Weg der Freiheit beschreitet. Erstaunt, wenn auch scheinbar unbeeindruckt setzt John (am Steuer) den Weg fort, weiter Richtung Heimat, testet noch kurz, ob der Wagen auch ABS hat (hat er nicht) und nach einiger Zeit sind wir in Dresden angelangt, wo uns der Lord wieder verlassen wird. Wir nutzen die Gelegenheit, um Sonjas bereits gegen 11:00 Uhr geäußerten Wunsch nach einem Biergarten entgegenzukommen und nehmen in selbigem Platz, genießen die Stunde der Entspannung und fahren dann schließlich weiter nach Westen. Weiter, immer weiter, der untergehenden Sonne entgegen...


Martin

   
             
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